Die Natur kennt keine Grenzen

Wandern auf dem Dreisesselberg im Dreiländereck Bayerischer Wald

Wandern auf dem Dreisesselberg im Dreiländereck Bayerischer Wald

Die Natur kommt manchmal schon auf ganz kuriose Ideen. So hat sie zum Beispiel auf dem Dreisesselberg im östlichen Teil Niederbayerns beeindruckende Felsskulpturen geformt. Mit viel Hingabe und Ausdauer schichtete sie grauen Granit übereinander – und das Ergebnis erinnert uns an mächtige steinerne Sessel. Gemütlich zum Sitzen sind diese vielleicht nicht gerade, aber umso gemütlicher lässt es sich hier wandern. Mit seinen 1333 Metern ist der Dreisesselberg die achtgrößte Erhebung des Bayerischen Waldes, ist aber im Vergleich zu den anderen Bergen sehr nah anzufahren. Vom Wanderparkplatz aus führt uns ein gut ausgeschilderter Weg direkt zum Gipfel, auch Hochstein genannt, aber auch in der näheren Umgebung stehen abwechslungsreiche Tages- oder Halbtagestouren zur Auswahl.

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Wahrzeichen für das Dreiländereck

Wahrzeichen für das Dreiländereck

Der Dreisesselberg gilt übrigens als Wahrzeichen für das Dreiländereck Tschechien, Österreich und Deutschland. Über die Grenzziehung aber auch über die bizarren Felsformationen ranken sich unzählige Mythen und Sagen. Für das einzigartige Naturschauspiel begeisterte sich auch der Schriftsteller und Maler Adalbert Stifter. Der naturverbundene Autor setzte dem Dreisesselberg mit seinen Erzählungen „Aus dem baierischen Walde“ und „Hochwald“ – beide aus dem Jahr 1867 – ein literarisches Denkmal. Letztere greift eine Dreisessel-Sage auf, die man sich auch heute noch erzählt:

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Die Grenze zum Übernatürlichen

Die Grenze zum Übernatürlichen

Vor langer Zeit trafen sich drei Könige auf dem Dreisesselberg, um gemeinsam die Grenzen der drei Länder – Bayern, Österreich und Böhmen – zu bestimmen. Die Könige saßen auf drei steinernen Thronen, jeder in seinem eigenen Land.

Forellen mit glühenden Funken

Forellen mit glühenden Funken

Während die Könige diskutierten, vertrieben sich ihre Gefolgsleute die Zeit mit der Jagd wilder Tiere. Sie stießen dabei auf den Plöckensteinsee, aus dem sie sich Forellen angelten, die mit scheinbar glühenden Funken gefleckt waren. Als es langsam dunkel wurde, beschlossen die Männer, ein Feuer zu machen und sich aus den Forellen ein feines Mahl zuzubereiten.

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Sausend und brausend

Sausend und brausend

Sie gaben die Fische und ein wenig Wasser in zwei Pfannen und stellten sie über das Feuer. Das Wasser wurde heißer und heißer und begann schließlich zu kochen. Die Fische aber starben nicht in dem siedenden Wasser, sondern wurden sogar immer lebendiger. Und auch der Wald schien plötzlich zum Leben zu erwachen. Ein Sausen und Brausen zog durch die Bäume, so laut, als würde der Wald jede Sekunde in sich zusammenfallen. Auch der See schloss sich dem wilden Treiben an und rauschte, als würde ein Sturm auf ihm wüten. Zur Verwunderung der Männer rührte sich jedoch kein Ast und keine Welle war auf dem See zu sehen.

Aus den Tiefen des Sees vernahmen sie plötzlich eine geheimnisvolle Stimme, die murmelte: „Es sind nicht alle zu Hause … zu Hause.“ Vor lauter Schreck warfen die Gefolgsleute die Fische zurück in den See und augenblicklich war es wieder still. Die ganze Nacht lang blieben sie verängstigt am Ufer sitzen und schwiegen sich bis zum Morgengrauen an. Bei Tagesanbruch eilten sie zu ihren Königen zurück und berichteten von den seltsamen Geschehnissen am See. Die Könige erkannten dies als Zeichen der Natur und beschlossen den Ort zu verlassen und nie wieder zurückzukehren, damit er für immer eine Einöde bleibe.

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Vom Dreisessel zum Plöckenstein

Vom Dreisessel zum Plöckenstein

Bei dieser technisch unkomplizierten ca. vierstündigen Wanderung nehmen wir alle Highlights des Dreisesselgebietes mit. Schon Adalbert Stifter verlor sein Herz an die spannenden Naturphänomene der Region und schrieb sie in seinen Werken nieder. Auf seinen Spuren entdecken wir neben den malerischen Felsformationen auch die Dreiländermark – der Schnittpunkt der Grenzen von Deutschland, Österreich und Tschechien –, das Steinerne Meer sowie den Plöckensee und Plöckenstein.

Vom Dreisessel zum Bayerischen Plöckenstein

Vom Dreisessel zum Bayerischen Plöckenstein

Wir starten unsere Tour am Parkplatz Dreisesselberg in 1240 Meter Höhe. Von hier aus steigen wir bis zum Grenzkamm auf. Wir folgen einem Wegweiser zum Dreisesselfelsen mit dem Berggasthof Dreisessel. Bevor es weitergeht genießen wir noch für ein paar Momente den traumhaften Ausblick, dann gehen wir den Pfad für ein paar hundert Meter zurück bis wir wieder den Wegweiser erreichen, der uns jetzt in Richtung Südosten zum „Dreiländereck über Hochkamm“ leitet. Wir wandern nun direkt auf der Grenze zwischen Deutschland und Tschechien und befinden uns plötzlich mitten in einem Baumfriedhof. Nach einer halben Stunde erreichen wir schließlich den Gipfel des Bayerischen Plöckensteins, der uns wiederum einen grandiosen Ausblick bietet.

Über den Hochkamm zum Plöckenstein

Über den Hochkamm zum Plöckenstein

Weiter geht’s nach Osten über den Hochkamm. Das nächste Highlight ist das Dreiländermark, eine Steinsäule, die die gemeinsame Grenze zwischen Deutschland, Österreich und Tschechien markiert.

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Von hier aus …

Von hier aus ...

... sind es noch eineinhalb Kilometer bis wir den östlichen Nachbarberg des Bayerischen Plöckensteins erreichen: den 1379 Meter hohen Plöckenstein. Dieser überragt seinen kleinen Bruder nur um etwa 15 Meter. Auf dem Weg dorthin kommen wir an einem Felsen vorbei, unter dem Adalbert Stifter angeblich Schutz vor einem Unwetter gesucht hat. Ein kurzer Anstieg noch, dann erreichen wir das Gipfelkreuz des Plöckensteins.

Unser nächstes Ziel ist das Adalbert-Stifter-Denkmal, für das wir einen kurzen Abstecher in den tschechischen Nationalpark Šumava machen. Zunächst erreichen wir einen Aussichtspunkt mit Blick auf den Plöckensteinsee. Noch ein Stück weiter nördlich können wir dann schon das Denkmal in der Ferne erkennen. Der fast 15 Meter hohe wuchtige Obelisk aus Granit wurde im Jahr 1877 – elf Jahre nach dem Tod Adalbert Stifters – eingeweiht und erinnert mit zwei Zitaten aus seinen Werken an den naturverliebten Schriftsteller.

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Vom Adalbert-Stifter-Denkmal zum Steinernen Meer

Vom Adalbert-Stifter-Denkmal zum Steinernen Meer

Ab jetzt beginnt der Rückweg und wir wandern über den Plöckenstein zurück zur Dreiländermark. Wir halten uns links bis der Weg rechterhand zum Adalbert-Stifter-Steig abzweigt. Hier geht es nochmal leicht bergauf und uns erwartet schon der nächste Höhepunkt: das Steinerne Meer. Auf einer Fläche von neun Hektar ist der Boden mit riesigen Granitfelsen bedeckt. Manche davon sind von Latschen und Flechten bedeckt, andere hingegen sind ganz frei von Vegetation. Nun nähern wir uns immer mehr dem Dreisessel und gehen von dort aus den Weg zurück zu unserem Ausgangspunkt.

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