Friedfischparadies Altmühl

Ein Angel-Erlebnisbericht einer Nicht-Anglerin

Ein Angel-Erlebnisbericht einer Nicht-Anglerin

Ich selbst besitze keinen Fischereischein, wie man ihn in Deutschland zum Angeln braucht. Um diesen zu erhalten, müsste ich eine umfassende Prüfung ablegen, bei der ich meine Kenntnis der heimischen Fischarten, des waidgerechten Umgangs mit eben diesen, der Gesetzgebung und der richtigen Zusammenstellung des Angelequipments unter Beweis stellen müsste. Ich kenne den Lernstoff gut, denn ich teile mein Leben mit einem passionierten Angler. Ich habe also ein persönliches Interesse daran, zu verstehen, was so viele Menschen an diesem naturnahen Hobby so fasziniert, dass sie in ihrer Freizeit freiwillig oft schon vor Sonnenaufgang am Wasser sind. Auch ich stehe heute, an einem Samstagmorgen, freiwillig um 5 Uhr auf. Ich bin gespannt auf meinen Tag als Angelbegleitung und mühe mich aus dem Bett, während Bastian – mein fischender Verlobter – längst dabei ist, seine Angeln zu richten und den Inhalt seiner Sitzkiepe, einer Art mobilen Aufbewahrung mit Sitzfunktion, noch einmal durchzugehen. Mit der ganzen Ausrüstung im Auto machen wir uns noch im Dunklen auf den Weg. Fürs Ansitzangeln haben wir eingepackt: zwei Feeder-Ruten, davon ist eine als Method-Feeder-Montage (mit Lockfutterkörbchen) und die andere als simple Grundbleimontage vorbereitet; einen Unterfangkescher und die Kiepe mit kleinteiligem Zubehör wie Angelblei, Haken und vielem mehr; Feeder-Futter zum Anlocken von Friedfischen (heute in der Geschmacksrichtung Honig-Vanille); Maden und Würmer; Verpflegung, warme Kleidung und eine Karpfenliege (ähnlich einem Feldbett).

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Malerische Flussabschnitte

Malerische Flussabschnitte

Unser Ziel ist das Fischwasser der Fischerinnung Donaustauf am nördlichsten Punkt der Donau. Gelegen am Fuß der eindrucksvollen Walhalla finden Angler auf einer Gesamtlänge von 6,4 Kilometern ausreichend Platz zum Ansitzangeln (sitzen und angeln) und Spinnfischen (laufen und angeln). Die Erlaubniskarte für den malerischen Flussabschnitt haben wir tags zuvor in Stefans Anglershop in Regensburg gekauft, einer der Top-Adressen für Angler in der Region. Für die Erlaubnis, einen Tag an der Donau zu fischen, zahlen wir zehn Euro.

Nicht nur Weißfische, Karpfen, Hechte und Aale sind auf der beliebten Flussstrecke vom Friesheimer Kirchturm bis zur Donaustaufer Brücke zu Hause – mit etwas Glück beißt auch schon mal ein schöner Zander oder ein kapitaler Waller an. Auf so einen Raubfisch hat es auch Basti abgesehen, denn die Donau ist bekannt für ihre großen Welse.

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Der Köder muss dem Fisch schmecken

Der Köder muss dem Fisch schmecken

Zur Beköderung der Grundbleimontage für Raubfische muss ein Köderfisch her. Dazu befüllt Basti den Futterkorb an der ersten Feeder-Rute mit der nach Vanille duftenden Futtermischung, die sich im Wasser auflöst und Fische anlockt. An den Angelhaken heftet er schmackhafte Maden, bevor die Montage mit geübter Bewegung, gezielt und mit surrender Schnur, ein wenig entfernt vom Ufer ins Wasser platscht.

Malerische Flussabschnitte

Dein Anblick der sich lohnt

Die Angelschnur wird durch das Drehen der Kurbel an der Spule wieder eingeholt, bis sie so unter Spannung steht, dass die Spitze der Rute etwas nach vorn gebogen ist. Die Angel stellt Basti in einen Rutenständer. Jetzt müssen wir warten – dass das typisch fürs Angeln ist, werde ich noch feststellen – und leise sein, denn laute Stimmen und allzu festes Auftreten am Ufer können die Fische verscheuchen. Ich mache es mir auf der Karpfenliege gemütlich. Während wir so dasitzen, dämmert langsam der Morgen und taucht die Walhalla und den Nebel auf dem Fluss und den Feldern in farbiges Licht. Der Anblick entschädigt mich zusätzlich für die verlorenen Stunden Schlaf.

„Wenn jetzt eine Grundel am Köder zupft, erkenne ich das sofort am Zittern der Rutenspitze. Ich muss sie deshalb immer im Auge behalten“, sagt Basti, während er konzentriert auf die grüne Spitze der Angelrute blickt. Es dauert nur ein paar Minuten, da beginnt die Rutenspitze schon zu zucken. Vorsichtig hebt Basti die Rute aus dem Ständer und setzt den Anhieb. Das bedeutet, dass er durch eine ruckartige Bewegung den Haken in das Maul des anbeißenden Fisches eintreibt. Der erste Fisch des Tages ist kein wirklicher Gegner – er lässt sich relativ leicht „einkurbeln“. Tatsächlich hat sich eine kleine Schwarzmundgrundel die Maden schmecken lassen. Die Grundel ist ein kleiner Fisch mit großen Glubschaugen, der nicht heimisch, aber mittlerweile extrem verbreitet und häufig in der Donau anzutreffen ist. Der Fang wird waidgerecht getötet, zerteilt und als Köder für die Grundbleimontage verwendet.

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Der Köder muss dem Fisch schmecken

Kommt der jetzt mit?

Der erste Räuber der sich für unseren Köderfisch interessiert, ist trotz seiner gemessenen Länge von knapp 40 Zentimetern untermaßig. Dennoch ist der schlanke Hecht unser Highlight des Tages: Den wunderschönen Raubfisch – der einzige an diesem Tag – setzt Basti schnell und behutsam wieder ins Wasser. Sofort ist der Hecht verschwunden.

Faszination Angeln

Faszination Angeln

Nach diesem Vormittag beschleicht mich eine Ahnung, was die Faszination des Fischens ausmacht. Ich denke, es ist der stetige Wechsel von Anspannung und Entspannung: Man weiß nie, wann der nächste Fisch anbeißt und dennoch ist da Ruhe und Frieden beim Warten – ganz ohne Ablenkung, Zeitdruck und Stress. Das dauert solange bis die Rute wieder einen Biss anzeigt, denn dann fließt sofort Adrenalin – auch wenn man nur zuschaut und den Kescher bereithält.

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Der Köder muss dem Fisch schmecken

Der Lohn des Tages

Den maßigen Fisch hat Basti noch am selben Abend im Backofen zubereitet, eingewickelt in Alufolie sowie mit Zitrone und verschiedenen Kräutern mariniert. „Die Schleihe ist ein grätenreicher Fisch mit festem, aromatischem Fleisch“, erklärt mir Basti. Ich selbst kann das nicht beurteilen, denn im Gegensatz zu ihm esse ich gar keinen Fisch. Wohl auch ein Grund dafür, dass ich keine Anglerin bin. Dennoch bin ich gern beim nächsten Angelausflug wieder mit von der Partie.

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